Moblogging – Texte und Bilder per Handy im Blog veröffentlichen – klang Anfang der 2000er-Jahre einfach. In der Praxis brauchte man ein passendes Handy und einen geeigneten Dienst, tippte auf kleinen Tasten und bezahlte oft jede Bildnachricht einzeln.
Smartphones brachten später Kamera, Internetzugang und Software besser zusammen. Günstigere, planbare Datentarife machten häufiges Hochladen erschwinglicher. Die Kombination aus Smartphone-Funktionen und günstigeren Datentarifen senkte die Hürden, allerdings nicht überall zur gleichen Zeit.
Vom Handy ins Blog
Moblogging entstand schrittweise: Auf frühe Versuche, Texte vom Mobiltelefon ins Web zu schicken, folgten Kamerahandys und Dienste, die Bilder in Blogs einbinden konnten. Der Begriff „Moblogging“ kam 2002 auf. Einen einzelnen Startpunkt gab es nicht.
Ein typischer Weg führte 2003 über E-Mail oder MMS. MMS sind Text- und Bildnachrichten, die über das Mobilfunknetz verschickt werden. Wer etwa einen Dienst wie 20six nutzen wollte, richtete das Blog und die mobile Versandfunktion ein und speicherte eine Zieladresse im Handy. Danach ließ sich ein Foto als Nachricht abschicken und im Blog veröffentlichen. Das Blog selbst konnte kostenlos sein. Für die MMS berechnete der Mobilfunkanbieter Gebühren.
Das Handy diente vor allem dazu, Fotos aufzunehmen und Beiträge zu veröffentlichen. Mitte der 2000er-Jahre wurden Blogs überwiegend am Desktop gelesen. Moblogging brachte also das Schreiben unterwegs aufs Handy, während das Lesen meist am Computer stattfand.
Vom Foto bis zum Blogbeitrag
Ein Foto aufzunehmen und ins Web zu stellen erforderte mehrere Handgriffe. Das Gerät musste die Aufnahme speichern, der passende Versandweg musste funktionieren und die Nachricht musste beim richtigen Blogdienst ankommen. Eine Untersuchung von HP Labs aus dem Jahr 2004 sah in den vielen Tastendrücken zwischen Foto und Veröffentlichung eine mögliche Hürde.
Auch die Bedienung erschwerte das Veröffentlichen. Kleine Displays zeigten wenig Inhalt, und Texteingaben über die Telefontastatur kosteten Zeit. Frühe mobile Webseiten nutzten häufig WAP, einen Standard für den Zugriff auf Internetangebote mit damaligen Mobiltelefonen. Untersuchungen zu WAP-Seiten dokumentierten Probleme mit Navigation, Lesbarkeit, Ladezeiten und Verbindungen.
Dazu kamen Unterschiede zwischen Geräten, Netzen und Diensten. Je nach Mobilfunkanbieter musste die Weiterleitung von SMS oder MMS an eine E-Mail-Adresse überhaupt unterstützt werden. Eine Handykamera allein garantierte deshalb noch keinen einfachen Upload. Auch die Bildqualität war begrenzt, und der Versand von Fotos funktionierte nicht bei allen Geräten und Verbindungen gleich zuverlässig.
Kosten für MMS und mobile Daten
Nutzer zahlten für das Kamerahandy, den Mobilfunkvertrag und den Versand der Bilder. Je nach Tarif wurde eine MMS einzeln berechnet oder ein monatliches Datenpaket angeboten. Für regelmäßiges Posten zählten neben dem Preis auch vorhersehbare monatliche Ausgaben.
In Deutschland plante Vodafone D2 2002 nach einer anfänglichen Gratisphase 0,39 Euro für eine MMS bis zu einer Größe von 30 Kilobit. Die Preise unterschieden sich jedoch stark nach Land und Anbieter. In Großbritannien gab es damals beispielsweise ein monatliches MMS-Angebot mit einem Datenlimit von 10 Megabyte. Solche historischen Tarife sind Beispiele für einzelne Märkte und kein allgemeingültiger Preis für Moblogging.
Auch mobile Daten machten das Hochladen nicht automatisch günstig. Wer keinen passenden Tarif hatte, musste mit einzeln abgerechneten Übertragungen oder schwer kalkulierbaren Kosten rechnen. Und selbst bei einem günstigen Blogdienst blieb der Versand übers Mobilfunknetz ein eigener Kostenpunkt.
Wie Smartphones Moblogging erleichterten
Smartphones brachten auf einem Gerät Funktionen zusammen, für die zuvor mehrere Schritte und teils verschiedene Dienste nötig waren. Kamera und Speicher waren ebenso auf demselben Gerät verfügbar wie Internetzugang und Software. Dadurch ließ sich ein Foto leichter verwalten und veröffentlichen. Nokias Lifeblog etwa ordnete Fotos und Videos chronologisch; Nachrichten und Notizen erschienen dort ebenfalls in zeitlicher Folge.
Auch die Netze wurden schneller, doch der Ausbau verlief ungleichmäßig. Noch 2008 galten lückenhafte 3G-Abdeckung, langsame Verbindungen und hohe Roamingkosten im Ausland als Hindernisse. Manche warteten mit dem Hochladen, bis sie ein WLAN nutzten. Größere Bilder und Videos waren damit weiterhin nicht überall bequem unterwegs zu übertragen.
Planbare Datentarife senkten die Kostenhürde. In den USA enthielten 2007 angekündigte iPhone-Tarife unbegrenzte Datenübertragung über damalige Mobilfunknetze. Damit ließen sich die Kosten besser einschätzen. Schnelle Verbindungen und günstige Datentarife gab es deshalb aber noch lange nicht in allen Ländern. Smartphones und bessere Tarife erleichterten Moblogging gemeinsam: Das Gerät verkürzte den Weg vom Foto zum Beitrag, der Tarif machte häufigere Übertragungen besser kalkulierbar.
Warum die Nutzung stockte
Technische Hürden allein zeigen nicht, wie oft Menschen tatsächlich mobloggten. Eine Auswertung von HP Labs aus dem Jahr 2004 ergab für die untersuchte Gruppe: In der ersten Woche lag der Median bei acht veröffentlichten Bildern, in der fünften bei null. Der Median bezeichnet den mittleren Wert einer nach Größe sortierten Messreihe. Die Forschenden stuften ihre Ergebnisse als vorläufig ein. Der Rückgang belegt nicht, dass Kosten oder Bedienprobleme die Ursache waren.
Zudem nutzten viele frühe Besitzerinnen und Besitzer eines Kamerahandys es vor allem als Kamera, ohne Bilder öffentlich zu bloggen. Mobiles Fotografieren und Moblogging waren unterschiedliche Aktivitäten. Bessere Technik beseitigte daher zwar konkrete Hindernisse, machte regelmäßiges Veröffentlichen aber nicht automatisch für alle interessant.